Standplatz am Bahnhof steht bereit

Die Bodenmarkierung zeigt: Dies wird die Basis von EBuxi sein. Mit gelber Farbe ist der frühere Taxistandplatz vor dem Bahnhof Herzogenbuchsee zum Mittelpunkt des Ortsbustaxi-Betriebs mutiert. In Kürze folgt neben dem neuen Standplatz auch noch eine Ladestation für die Elektrofahrzeuge mit Haltestellentafel. Dass am Boden die Schablone für das «u» verdreht worden ist, war wohl Absicht: Schliesslich ist EBuxi auch in jeder Hinsicht ein einzigartiges Projekt.

App: nun auch Vorbuchen möglich

Neben der Sofortbuchung erlaubt unsere Bestell-App ab sofort auch Vorreservationen. Solche sind bis zu sieben Tage vor der gewünschten Fahrt möglich. Diese Funktion wertet die App spürbar auf.

Bei EBuxi wird die App zurzeit ausschliesslich in der Fahrerausbildung verwendet. Die Fahrerinnen und Fahrer finden sie im Google Play Store (für Android) und im Apple Store (für iOS) unter dem Suchbegriff «Flow on demand». Auf den Start von EBuxi am 27. April hin wird der Download dann öffentlich angeboten, mit QR-Codes auf Werbemitteln und auch über die Website.

Der Abholdienst wird zunächst auf der Basis von rund 200 Haltepunkten in Herzogenbuchsee, Nieder- und Oberönz funktionieren. Die Fahrgäste erwarten das Fahrzeug zur vereinbarten Zeit eventuell einige Häuser von ihrer Wohnadresse entfernt. Als «Rückfallebene» wird die Fahrer-App zusätzlich deren Wohnadresse und gegebenenfalls Telefonnummer anzeigen. Diese wichtige Zusatzfunktion wird voraussichtlich ab dem zweiten Betriebsmonat zur Verfügung stehen. Zum Überbrücken der «Durststrecke» verspricht der Softwarelieferant Shotl eine Übergangslösung.

Ein halbes Hundert Chauffeure in Ausbildung

Die aktuell 53 registrierten freiwilligen Fahrerinnen und Fahrer sind das Herz von EBuxi. Sie rüsten sich engagiert für den Betriebsstart am 27. April – zuerst in zwei Infoabenden Ende März sowie Anfang April und nun individuell in Fahrtrainings, in denen sie auch den Umgang mit der Fahrerapp und der Bestellapp üben. Für die Lernfahrten sind Vorstandsmitglieder von EBuxi und zusätzliche Helfer im Einsatz. 

Die beiden Fahrzeuge von EBuxi werden mit einem fest installierten iPad-Tablet und einem Smartphone ausgerüstet sein. Die Fahrerinnen und Fahrer empfangen tagsüber alle Fahraufträge via Bestellapp oder Telefon über die Fahrerapp auf dem Tablet. Ausserhalb der Betriebszeiten der Telefonzentrale empfangen sie Telefonbestellungen über das Mobiltelefon des Fahrzeugs. Für die Telefonzentrale könne wir mit dem Dahlia Panoramapark zusammenarbeiten.  

Power-Rikscha im Anmarsch

Ergänzend zum E-Van von Nissan wird EBuxi auch eine Rikscha mit Elektromotor einsetzen. Das brandneue Modell, welches das Berner Unternehmen Rikschataxi AG gegenwärtig in Tschechien und Bayern produzieren lässt, ist ein bisher nicht erlebter Kraftprotz. Klassische E-Bikes und auch die heute in Bern eingesetzten Rikschas haben Standardmotoren mit 250 Watt Leistung, die neue Rikscha-Generation bringt es aber auf 4000 Watt.

Die EBuxi-Rikscha soll aber nicht Fussgänger und Velofahrer gefährden. Deshalb ist das Fahrzeug auf 25 km/h abgeregelt. Dank des kräftigen Motors werden aber auch «normale» Fahrerinnen und Fahrer mit zwei Passagieren den Kilchrain ohne nasse T-Shirts schaffen.

Von EWK bis Engagement Migros: die Partner

Als landesweit einzigartiges Pilotprojekt für nachhaltige Mobilität hat EBuxi viele Supporter. Einen guten Monat vor Start ist die Runde weitgehend komplett: Mit dabei sind neben dem lokalen Hauptpartner EWK die Gemeinden Herzogenbuchsee und Niederönz, die örtliche Raiffeisenbank und auf nationaler Ebene EnergieSchweiz mit dem Förderfonds Engagement Migros, mehreren Bundesämtern und dem Amt für öffentlichen Verkehr des Kantons Bern.

Mehr zu den Partnern und Sponsoren hier

Erfolgreiche Fahrer-Rekrutierung sichert Start

Grün rollt an: Mit mehr als 50 Fahrerinnen und Fahrern kann EBuxi am 27. April nach Plan starten. Ihr Freiwilligeneinsatz wird mit 10 Franken pro Stunde entgolten werden. EBuxi-Projektleiter Hans Kaspar Schiesser freut sich über den Rekrutierungserfolg: «Er beweist, dass die gemeindeweite Nachbarschaftshilfe funktioniert.» 

Für ein genügendes «Polster» bei Ferien und anderen Abwesenheiten sucht EBuxi weitere fünf bis zehn Fahrerinnen und Fahrer. Information und Online-Anmeldung hier.

Eine Vorpremiere und ein Fest

Am Wochenende 16./17. März zeigt sich das künftige Flaggschiff der EBuxi-Flotte erstmals öffentlich. Am Stand von EBuxi an der Frühlingsausstellung von EWK, Bärtschi, Sport Ingold und Velo Rapp können die Besucher den E-Van Nissan Evalia beschnuppern und mit der Crew hinter EBuxi ins Gespräch kommen. 

Bereits kann man an den beiden Tagen von 9 bis 17 Uhr auch Zehnerabos kaufen oder ein Jahresabo bestellen. EBuxi präsentiert sich gegenüber dem Eingang des EWK-Gebäudes (Eisenbahnstrasse 2). Als örtlicher Hauptpartner sponsert EWK die Fahrzeuge und Ladestationen.

App-Test und Ausbildung: Was im März und April geschieht

Die Software (siehe Bild) kommt aus Barcelona, die Fahrerinnen und Fahrer aus Buchsi und Niederönz. Und beides muss harmonieren. In der letzten Märzwoche werden die Reservations-App für Kunden und die Navigations-/Reservations-App für Fahrer an Ort gründlich getestet. In den Wochen danach stehen für die Fahrerinnen und Fahrer je eine Einführung in App und Fahrbetrieb sowie in die Fahrzeuge auf dem Programm. Sie werden zwischen mehreren Daten auswählen können.

Ein Teilzeitjob bei EBuxi?

An einer Schlüsselstelle den Fahrbetrieb von EBuxi am Laufen halten: Dies können Sie als Mitarbeiter/in Disposition und Backoffice in einer Teilzeitstelle mit einem Beschäftigungsgrad von ca. 15 bis 20 Prozent. Sie koordinieren ein Milizteam mit rund 50 Fahrerinnen und Fahrern und werden dafür professionell entschädigt. Für mehr Informationen lesen Sie das Stelleninserat.

«Wir sind der Feinverteiler des Regionalverkehrs»

Können Elektrofahrzeuge liegen bleiben? Hat EBuxi genügend Fahrerinnen und Fahrer? Gräbt es anderen das Wasser ab? EBuxi-Präsident Klaus Indermühle antwortet auf kritische Fragen. 

Ihr fährt ausschliesslich Elektromobile. Die haben ja keine so berauschende Reichweite. Was, wenn eins unterwegs liegen bleibt?

Klaus Indermühle, Präsident des EBuxi-Trägervereins

Klaus Indermühle: Unsere Fahrzeuge werden nicht liegen bleiben. Ihr fahre sei über zwei Jahren privat einen Nissan Leaf. Der ist noch nie liegengeblieben, er brauchte seither noch nicht einmal eine Reparatur. Am Bahnhof werden wir zudem eine Ladestation haben, sodass auch untertags begrenzt Nachladen möglich ist.

Ein erhebliches Umweltproblem von Elektromobilen bilden Batterienherstellung  und -Recycling. Macht Euch das keine Sorgen?

Das grösste Umweltproblem sind momentan die CO2-Emissionen und damit eine fühl- und messbare Klimaerwärmng. Da haben Elektromobile deutliche Vorteile. Akkus, die in E-Autos ihren Dienst getan haben, können ausserdem noch jahrelang in stationären Akku-Containern, die als Stromspeicher für Solarenergie dienen, weiter nützlich sein. Und zum Schluss: Wenn ein Haus brennt, muss die Feuerwehr ran. Niemand wird eine Löschaktion ablehnen, nur weil Wasserschaden entstehen könnte.

Eure E-Rikscha wiegt mit zwei Passagieren 400 bis 500 Kilo. Muss man Leistungssportler sein, um die zu fahren?

Nein. Wir bekommen ein neues Modell mit stärkerem Zusatzantrieb und längerer Akku-Leistung. Die Rikscha kann mit 800 Kilo Gesamtgewicht, was sie wohl nie hat, locker eine 20 Prozent-Steigung, etwa den Kirchrain, hochfahren. 

Bis jetzt haben sich 40 freiwillige Fahrerinnen und Fahrer bei Euch gemeldet. Kriegt Ihr die 50 oder gar 60 zusammen? Was wenn nicht?

Einige Werbeaktionen für die Fahrersuche sind noch ausstehend. Ich glaube fest, dass wir 50 bis 60 Freiwillige zusammenbekommen. Mit 60 haben wir eine sehr komfortable Situation. Mit 40 könnten wir bereits beginnen, da einige auch bereit sind, zwei oder drei Schichten in der Woche zu übernehmen.

Nicht alle Fahrerinnen oder Fahrer wissen auf Anhieb, wo der Tulpen- oder der Klusweg ist. Macht Ihr mit denen eine Geografieprüfung?

Ein paar Fahrerinnen und Fahrer, das wissen wir, kennen sich in Buchsi und Niederönz wie in der eigenen Hosentasche aus. Aber das ist gar nicht zwingend nötig, denn die Fahrzeuge verfügen natürlich über ein Navi, auch die Rikscha.

EBuxi hat ziemlich viele Sponsoren: EnergieSchweiz, Raiffeisenbank, EWK, Engagement Migros etwa. Gibt es keine Probleme, wenn ihr all deren Wünsche erfüllen müsst?

Alle bisherigen Sponsoren sind von unserm Konzept überzeugt und stellen keine inhaltlichen Forderungen, vor allem keine, die sich widersprechen würden. Auf den Fahrzeugen allerdings, das geben wir zu, gibt es ein bisschen ein Gerangel um die attraktiven Werbeflächen. Aber auch da stehen wir kurz vor einer sozusagen salomonischen Lösung. Und dann gilt halt auch der Grundsatz: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Da hatte unsere EWK den besten Riecher. 

Nehmt Ihr mit EBuxi nicht den asm-Bussen oder den roten Mobility-Autos die Kunden weg?

Zwei Mal nein. Die asm-Busse fahren im Regionalverkehr, wir nur im Ortsverkehr. Im Gegenteil: Wir sind eigentlich der Feinverteiler des Regionalverkehrs, bilden also eine bis jetzt fehlende Ergänzung, keine Konkurrenz von asm oder SBB. Ein Mobiliy-Auto miete ich, wenn ich selbst keins habe, um zum Beispiel mit anderen autolosen Besuchern in die Buchsiberge zu fahren. Das können wir mit EBuxi nicht. 

Wenn am Bahnhof eine Gruppe von zwölf Handballerinnen ankommt und zur Dreifachturnhalle will, dann seid Ihr wohl mit Eurem kleinen Nissan überfordert. Oder was macht Ihr dann?

Wir fahren halt zwei Mal. Mit grösseren Gruppen stossen wir aber zweifellos an Grenzen. Als schlanker Betrieb mit kundenfreundlichen Preisen können wir keine eierlegende Wollmilchsau sein. Anfragen grösserer Gruppen würden wir etwa an die asm weiterleiten. 

Noch nie hat jemand genau das kombiniert, was Ihr jetzt tut: Elektromobilität, freiwilliger Einsatz, elektronische Koordination der Fahrzeuge. Habt Ihr keine Angst, dass dieses Experiment schief gehen könnte?

Nur die Kombination ist neu, die einzelnen Komponenten haben sich längst bewährt. Die Elektromobilität ist nun seit einigen Jahren safe. Muster für den Einsatz Freiwilliger gibt es auch, das mussten wir nicht erfinden. Und auch Apps fürs Koordinieren von Fahrzeugen oder die Bestellungen sind betriebsreif auf dem Markt. Ich bin einigermassen überzeugt, dass wir im Kombinieren dieser drei Dinge in der Lage sind, grobe Fehler, die unser Projekt in Frage stellen könnten, zu vermeiden.