«Wir sind der Feinverteiler des Regionalverkehrs»

Können Elektrofahrzeuge liegen bleiben? Hat EBuxi genügend Fahrerinnen und Fahrer? Gräbt es anderen das Wasser ab? EBuxi-Präsident Klaus Indermühle antwortet auf kritische Fragen. 

Ihr fährt ausschliesslich Elektromobile. Die haben ja keine so berauschende Reichweite. Was, wenn eins unterwegs liegen bleibt?

Klaus Indermühle, Präsident des EBuxi-Trägervereins

Klaus Indermühle: Unsere Fahrzeuge werden nicht liegen bleiben. Ihr fahre sei über zwei Jahren privat einen Nissan Leaf. Der ist noch nie liegengeblieben, er brauchte seither noch nicht einmal eine Reparatur. Am Bahnhof werden wir zudem eine Ladestation haben, sodass auch untertags begrenzt Nachladen möglich ist.

Ein erhebliches Umweltproblem von Elektromobilen bilden Batterienherstellung  und -Recycling. Macht Euch das keine Sorgen?

Das grösste Umweltproblem sind momentan die CO2-Emissionen und damit eine fühl- und messbare Klimaerwärmng. Da haben Elektromobile deutliche Vorteile. Akkus, die in E-Autos ihren Dienst getan haben, können ausserdem noch jahrelang in stationären Akku-Containern, die als Stromspeicher für Solarenergie dienen, weiter nützlich sein. Und zum Schluss: Wenn ein Haus brennt, muss die Feuerwehr ran. Niemand wird eine Löschaktion ablehnen, nur weil Wasserschaden entstehen könnte.

Eure E-Rikscha wiegt mit zwei Passagieren 400 bis 500 Kilo. Muss man Leistungssportler sein, um die zu fahren?

Nein. Wir bekommen ein neues Modell mit stärkerem Zusatzantrieb und längerer Akku-Leistung. Die Rikscha kann mit 800 Kilo Gesamtgewicht, was sie wohl nie hat, locker eine 20 Prozent-Steigung, etwa den Kirchrain, hochfahren. 

Bis jetzt haben sich 40 freiwillige Fahrerinnen und Fahrer bei Euch gemeldet. Kriegt Ihr die 50 oder gar 60 zusammen? Was wenn nicht?

Einige Werbeaktionen für die Fahrersuche sind noch ausstehend. Ich glaube fest, dass wir 50 bis 60 Freiwillige zusammenbekommen. Mit 60 haben wir eine sehr komfortable Situation. Mit 40 könnten wir bereits beginnen, da einige auch bereit sind, zwei oder drei Schichten in der Woche zu übernehmen.

Nicht alle Fahrerinnen oder Fahrer wissen auf Anhieb, wo der Tulpen- oder der Klusweg ist. Macht Ihr mit denen eine Geografieprüfung?

Ein paar Fahrerinnen und Fahrer, das wissen wir, kennen sich in Buchsi und Niederönz wie in der eigenen Hosentasche aus. Aber das ist gar nicht zwingend nötig, denn die Fahrzeuge verfügen natürlich über ein Navi, auch die Rikscha.

EBuxi hat ziemlich viele Sponsoren: EnergieSchweiz, Raiffeisenbank, EWK, Engagement Migros etwa. Gibt es keine Probleme, wenn ihr all deren Wünsche erfüllen müsst?

Alle bisherigen Sponsoren sind von unserm Konzept überzeugt und stellen keine inhaltlichen Forderungen, vor allem keine, die sich widersprechen würden. Auf den Fahrzeugen allerdings, das geben wir zu, gibt es ein bisschen ein Gerangel um die attraktiven Werbeflächen. Aber auch da stehen wir kurz vor einer sozusagen salomonischen Lösung. Und dann gilt halt auch der Grundsatz: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Da hatte unsere EWK den besten Riecher. 

Nehmt Ihr mit EBuxi nicht den asm-Bussen oder den roten Mobility-Autos die Kunden weg?

Zwei Mal nein. Die asm-Busse fahren im Regionalverkehr, wir nur im Ortsverkehr. Im Gegenteil: Wir sind eigentlich der Feinverteiler des Regionalverkehrs, bilden also eine bis jetzt fehlende Ergänzung, keine Konkurrenz von asm oder SBB. Ein Mobiliy-Auto miete ich, wenn ich selbst keins habe, um zum Beispiel mit anderen autolosen Besuchern in die Buchsiberge zu fahren. Das können wir mit EBuxi nicht. 

Wenn am Bahnhof eine Gruppe von zwölf Handballerinnen ankommt und zur Dreifachturnhalle will, dann seid Ihr wohl mit Eurem kleinen Nissan überfordert. Oder was macht Ihr dann?

Wir fahren halt zwei Mal. Mit grösseren Gruppen stossen wir aber zweifellos an Grenzen. Als schlanker Betrieb mit kundenfreundlichen Preisen können wir keine eierlegende Wollmilchsau sein. Anfragen grösserer Gruppen würden wir etwa an die asm weiterleiten. 

Noch nie hat jemand genau das kombiniert, was Ihr jetzt tut: Elektromobilität, freiwilliger Einsatz, elektronische Koordination der Fahrzeuge. Habt Ihr keine Angst, dass dieses Experiment schief gehen könnte?

Nur die Kombination ist neu, die einzelnen Komponenten haben sich längst bewährt. Die Elektromobilität ist nun seit einigen Jahren safe. Muster für den Einsatz Freiwilliger gibt es auch, das mussten wir nicht erfinden. Und auch Apps fürs Koordinieren von Fahrzeugen oder die Bestellungen sind betriebsreif auf dem Markt. Ich bin einigermassen überzeugt, dass wir im Kombinieren dieser drei Dinge in der Lage sind, grobe Fehler, die unser Projekt in Frage stellen könnten, zu vermeiden.

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